TRIXI GRONAU Manufaktur · Wissen

Schreibfedern, Tinte und Schrift

Das Werkzeug folgt der Idee

Verschiedene Federhalter mit unterschiedlichen Schreibfedern in einem Glas im Atelier von TRIXI GRONAU

Bei Kalligraphie gibt es für mich nicht die eine richtige Feder oder die eine richtige Tinte.

Welche Feder wir verwenden, hängt immer vom Auftrag ab, vom Papier, von der gewünschten Schrift und von der Wirkung, die entstehen soll.

In unserem Atelier hatten wir deshalb eine große Auswahl an Federn und Schreibwerkzeugen: unterschiedliche Federgrößen, Stubfedern, Bandzugfedern, Gänsekiele und Glasfedern. Dazu kamen Pinsel oder kalligraphische Faserstifte.

Nicht die schönste Feder ist die richtige, sondern die, die zum Papier und zur Gestaltung passt.

Tinte ist Teil der Gestaltung

Auch die Farbe der Tinte wurde bei uns nicht unabhängig vom Entwurf ausgewählt.

Tintenflaschen mit Korken und angetrockneter Tinte in verschiedenen Farben aus dem Kalligraphie-Atelier

Wir arbeiten unter anderem mit Tinten von Herbin aus Frankreich, mit Caran d’Ache, mit Scriptol und mit selbst angemischten Farbtönen.

Die Tinten von Herbin mag ich besonders. Es gibt sie in sehr vielen Farben, einige enthalten sogar feine Glitzerpartikel.

Bei Kundenaufträgen haben wir Farbwünsche berücksichtigt und, wenn nötig, verschiedene Tinten miteinander gemischt, bis der gewünschte Ton entstand.

Eine saubere Feder ist selbstverständlich

Klingt banal, ist aber wichtig: Eine Feder muss sauber sein.

Wenn sie vorher in schwarze Tinte getaucht wurde und anschließend ein heller Gelbton geschrieben werden soll, reicht ein kleiner Rest Schwarz, um die Farbe zu verändern.

Deshalb wurden Federn zwischen unterschiedlichen Farben gründlich gereinigt.

Gerade bei individuellen Farbtönen gehört diese Sorgfalt zum Ergebnis.

Nicht jede Oberfläche nimmt Tinte an

Papier und Material spielen eine ebenso große Rolle wie Feder und Tinte.

Eine klassische wasserlösliche Tinte muss von der Oberfläche aufgenommen werden können. Liegt sie nur oben auf, kann sie abperlen oder schlecht haften.

Dann muss man anders arbeiten.

Glasfeder und ein selbst gebautes Schreibwerkzeug aus Blech neben einer Tinte von Herbin

Auf besonderen Materialien können zum Beispiel kalligraphische Faserstifte eingesetzt werden, deren Farbe besser auf der Oberfläche haftet.

Auch hier gilt: Nicht das Material muss sich unserem Werkzeug anpassen. Wir suchen das Werkzeug, das zum Material passt.

Schrift entsteht aus dem Zusammenspiel

Feder, Tinte und Papier kann man deshalb nicht getrennt betrachten.

Eine breite Feder erzeugt eine andere Wirkung als eine feine Feder. Eine dunkle Tinte wirkt anders als ein heller oder glitzernder Farbton. Und eine stark strukturierte Oberfläche verlangt nach einem anderen Werkzeug als ein glattes Papier.

Genau dieses Zusammenspiel macht die Arbeit interessant.

Manchmal steht am Anfang eine bestimmte Schrift. Manchmal eine Papierfarbe oder eine Tischdekoration. Und manchmal beginnt alles mit einem ungewöhnlichen Material.

Am Ende müssen Werkzeug, Farbe und Gestaltung zusammenpassen.