TRIXI GRONAU Manufaktur · Wissen

Was ist Kalligraphie?

Wenn Schrift einzigartig wird

Kalligraphie im Atelier TRIXI GRONAU: eine Hand schreibt mit der Feder einen Namen in Schreibschrift auf Papier

Kalligraphie bedeutet für mich weit mehr als schön zu schreiben. Handschrift kann einem Namen, einem Wort oder einem ganzen Text einen eigenen Charakter geben.

In unserem Atelier war Kalligraphie viele Jahre Teil unserer Gestaltung. Michael hat zwölf Jahre bei mir gearbeitet und beherrschte dieses Handwerk mit großer Kreativität.

Dabei ging es keineswegs nur um Feder und Tinte. Michael arbeitete mit einer großen Auswahl an Schreibfedern, aber ebenso mit Pinseln, Holzstücken, Schwämmen oder sogar einer einfachen Wäscheklammer aus Holz.

Verschiedene Schreibfedern für Kalligraphie mit Holzhaltern, darunter eine Feder in Form einer Hand

Entscheidend war immer die Wirkung, die wir erreichen wollten.

Von der Handschrift zum Druck

Besonders spannend fand ich die Verbindung von Kalligraphie und unserer eigenen Druckmanufaktur.

Eine handgeschriebene Arbeit musste bei uns nicht zwangsläufig ein Einzelstück bleiben. Wir konnten Michaels Handschrift digitalisieren und anschließend in eine gedruckte Gestaltung integrieren.

Für ein Hamburger Family Office entstand beispielsweise eine Danksagung zunächst vollständig von Hand. Ich digitalisierte die Schrift anschließend und wir druckten davon rund 150 Exemplare auf Büttenpapier.

Der Charakter der Handschrift blieb erhalten, gleichzeitig konnten wir eine größere Auflage herstellen.

Auch bei Einladungen haben wir auf diese Weise gearbeitet. Manchmal wurde nur das Wort „Einladung“ kalligraphisch geschrieben, digitalisiert und anschließend mitgedruckt.

Bei anderen Arbeiten wurde zunächst die Einladung gedruckt und später der Name des einzelnen Gastes von Hand ergänzt.

Gerade diese Verbindung aus Einzelstück und Vervielfältigung fand ich immer interessant.

Erst die Schriftprobe

Bei individuellen Aufträgen legten wir zunächst Papier, Farbe und gewünschte Wirkung fest.

Michael fertigte bei Bedarf verschiedene Schriftproben an. So konnte der Kunde sehen, wie unterschiedlich ein Name oder ein Wort allein durch die Schrift wirken kann.

Erst wenn die Richtung feststand, wurde das endgültige Stück geschrieben oder die kalligraphische Vorlage für den Druck digitalisiert.

Kalligraphie war deshalb für uns nicht nur ein letzter dekorativer Schritt. Sie konnte bereits Teil des Entwurfs sein.

Nicht jedes Papier verlangt dieselbe Feder

Papier und Werkzeug müssen zusammenpassen.

Eine glatte Oberfläche verhält sich anders als ein stark strukturiertes Papier. Wenn eine klassische Feder für ein Material nicht geeignet war, suchte Michael nach einem anderen Weg.

Dann kamen beispielsweise ein Pinsel, ein Stück Holz, ein Schwamm oder eine Wäscheklammer zum Einsatz.

Schriftproben in mehreren Farben auf Papier, daneben eine hölzerne Wäscheklammer und ein Pinsel als Schreibwerkzeug

Gerade diese Freiheit fand ich spannend: Nicht das Werkzeug bestimmt die Gestaltung. Die Idee bestimmt, welches Werkzeug gebraucht wird.

Vom Umschlag bis zur Wortmarke

Wir haben Kalligraphie für sehr unterschiedliche Aufgaben eingesetzt: für handgeschriebene Adressen auf Umschlägen, Tisch- und Namenskarten, Einladungen, Danksagungen oder einzelne Wörter innerhalb einer Gestaltung.

Von Hand kalligraphierte Adresse auf einem Briefumschlag, geschrieben mit dem Füllfederhalter

Auch das Logo von my home Couture stammt aus Michaels Hand.

Eine handgeschriebene Form wurde damit nicht nur Teil einer Karte oder Einladung, sondern zur Grundlage einer Wortmarke.

Für mich zeigt das sehr schön, was Handschrift leisten kann.

Druck, Prägung und Handschrift

Am meisten interessiert mich bis heute die Verbindung verschiedener Techniken.

Ich mag Druck, Prägung und Kalligraphie nicht als voneinander getrennte Welten. Sie können sich ergänzen.

Eine Gestaltung kann gedruckt sein, ein Detail geprägt werden und ein Name anschließend von Hand dazukommen.

Und manchmal entsteht die Idee noch ganz anders.

Bei einer unserer Arbeiten wurde beispielsweise ein Schlüsselloch geprägt. Dazu kam ein Kreis, der mit dem Rand eines umgedrehten, in Rotwein getauchten Glases auf das Papier gesetzt wurde.

Gedruckte Einladung mit geprägtem Schlüsselloch in Gold und einem Kreis, der mit dem Rand eines Rotweinglases auf das Papier gesetzt wurde

Der Rotwein-Kreis ist natürlich keine Kalligraphie. Aber genau dieses Bild erzählt sehr gut, wie ich Gestaltung verstehe: Techniken, Materialien und Ideen dürfen miteinander in Kontakt kommen, wenn das Ergebnis stimmt.

„Das hat doch so keiner.“

Meine Schwester sagt oft zu mir:

„Das hat doch so keiner.“

Dieser Satz beschreibt meine Haltung eigentlich ziemlich genau.

Mich interessiert nicht, etwas nur deshalb zu machen, weil es üblich ist.

Ich mag das Unerwartete. Eine ungewöhnliche Kombination. Ein Detail, das eine Arbeit persönlich macht.

Eine kalligraphierte Schrift trägt die Bewegung des Menschen, der sie geschrieben hat. Man kann sie als Einzelstück stehen lassen, mit Druck vervielfältigen oder mit Prägung und anderen handwerklichen Techniken verbinden.

Genau darin liegt für mich der Reiz der Kalligraphie.