TRIXI GRONAU Manufaktur · Wissen
Damit starker Karton eine saubere Kante bekommt
Bei einer fertigen Klappkarte sieht die Falzkante selbstverständlich aus.
Dabei entscheidet sich schon vorher, ob diese Kante sauber wird.
Starkes Papier und Karton lassen sich nicht einfach beliebig umlegen. Wird das Material ohne Vorbereitung gefalzt, kann die Oberfläche brechen, der Karton kann aufreißen und bei bedruckten Flächen kann sogar Farbe abplatzen.
Deshalb nuten wir stärkere Materialien vor dem Falzen.
In unserer Manufaktur gehört dieser Arbeitsschritt unter anderem zu unseren Glückwunschklappkarten und zu Präsentationsmappen aus starkem Karton.
Es ist eine dieser Arbeiten, die man am fertigen Produkt kaum wahrnimmt.
Wenn sie nicht richtig gemacht wurde, sieht man es allerdings sofort.
Nuten, häufig auch Rillen genannt, ist ein mechanisches Verfahren zur Vorbereitung einer späteren Falzung.
Dabei wird das Material nicht durchgeschnitten.
An der Stelle, an der später gefalzt werden soll, wird eine Vertiefung in Papier oder Karton gedrückt.
Das Material kann an dieser Linie kontrolliert nachgeben.
Gerade bei stärkeren Papieren und Kartons ist das wichtig.
Ohne eine Nut kann die Oberfläche beim Falzen brechen. Bei einem bedruckten Karton kann Druckfarbe an der Falzkante aufplatzen oder abblättern.
Die Nut nimmt einen Teil dieser Spannung auf und ermöglicht eine saubere, gerade Falzkante.

Meine Eltern arbeiteten noch mit klassischen Hand- und Fußhebel-Nut- und Perforiermaschinen, wie sie zum Beispiel von E. Bickel gebaut wurden.
Ich kenne diese Art zu arbeiten deshalb noch aus meiner Kindheit und aus der Buchbinderei meiner Eltern.
Heute arbeite ich mit einer elektrischen Nutmaschine.
Das Prinzip ist geblieben.
Der Bogen wird eingelegt und exakt an einem Anschlag ausgerichtet.
Die Linie muss genau dort sitzen, wo später gefalzt werden soll.
Ein Werkzeug drückt das Material in eine Gegenform und bereitet dadurch die spätere Falzkante vor.
Die Maschine erleichtert den Arbeitsvorgang.
Die Genauigkeit beim Anlegen nimmt sie einem trotzdem nicht ab.
Ich habe meiner Mutter oft beim Nuten geholfen.
Dabei habe ich sehr früh gelernt, wie wichtig eine immer gleiche Anlage ist.
Jeder Bogen musste an derselben Stelle angelegt werden.
Meine Mutter hat die fertig genuteten Bogen anschließend sauber aufgestoßen.
Und wehe, die Nuten standen dann nicht exakt in einer Reihe.
Das hat sie sofort gesehen.
Solche Erfahrungen bleiben im Kopf.
Ein Vorgang kann auf den ersten Blick sehr einfach aussehen.
Aber schon eine kleine Abweichung beim Anlegen reicht aus und die spätere Falzkante sitzt nicht mehr dort, wo sie hingehört.
Auch beim Nuten und Falzen spielt die Laufrichtung des Papiers eine wichtige Rolle.
Bei der Papierherstellung richten sich die Fasern überwiegend in eine bestimmte Richtung aus.
Wird ein stärkeres Papier ungünstig zur Faserrichtung gefalzt, steht das Material stärker unter Spannung.
Die Oberfläche kann brechen oder aufreißen.
Deshalb berücksichtige ich die Laufrichtung schon bei der Verarbeitung.
Eine Nut kann einen starken Karton auf die Falzung vorbereiten.
Sie kann aber eine grundsätzlich ungünstige Materialwahl oder Laufrichtung nicht einfach ungeschehen machen.
Für eine saubere Kante müssen Material, Laufrichtung, Nut und Falzung zusammenpassen.
Unsere Glückwunschklappkarten werden alle genutet.
Bei stärkerem Kartenkarton ist das notwendig, damit sich die Karte sauber öffnen und schließen lässt und die Oberfläche an der Kante nicht aufbricht.
Auch A4-Präsentationsmappen aus dickem Karton werden genutet.
Gerade bei solchen Arbeiten muss die Position exakt stimmen.
Die Nut soll später dort sitzen, wo die Gestaltung und der Aufbau der Mappe es vorsehen.
Je stärker und steifer das Material ist, desto wichtiger wird die Vorbereitung der späteren Falzung.
Nuten und Falzen sind zwei unterschiedliche Arbeitsschritte.
Die Nut bereitet einen stärkeren Karton auf die Faltung vor.
Beim Falzen wird das Material anschließend tatsächlich entlang der vorgesehenen Linie umgelegt.
Kleine Auflagen, Einzelstücke und buchbinderische Arbeiten können von Hand gefalzt werden.
Für große Auflagen gibt es Falzmaschinen.
Beides habe ich von klein auf kennengelernt.
Beim Falzen von Hand gehört das Falzbein zu den klassischen Werkzeugen der Buchbinderei.
Es ist ein schmales, glattes Werkzeug mit einer abgerundeten Form.
Mit ihm lässt sich eine Falzkante sauber ausarbeiten und anschließend fest glattstreichen.
Auch Kanten, verklebte Flächen oder Ecken können damit kontrolliert angedrückt und ausgeformt werden.
Früher wurden Falzbeine häufig aus Knochen gefertigt.
Meine Mutter hatte ein solches Falzbein.
Und sie wollte auch kein anderes.
Sie war da sehr eigen.
Ich selbst arbeite heute gern mit einem Falzbein aus Teflon.
Gerade bei empfindlichen Materialien ist das angenehm, weil es die Oberfläche besonders schonend behandelt und weniger leicht Spuren hinterlässt.

Meine Mutter war mit Abstand die schnellste Person beim Falzen, die ich erlebt habe.
Sie konnte sogar mehrere Bogen als Lage von Hand falzen.
Und sie war dabei nicht nur schnell.
Die Arbeit war sauber.
Das war keine Hektik.
Das war Routine.
Jeder Handgriff saß.
Wenn man jemanden über viele Jahre bei einer solchen Arbeit erlebt, versteht man, wie viel Erfahrung in einer scheinbar einfachen Bewegung stecken kann.
Für große Auflagen hatten wir eine ungefähr drei Meter lange Falzmaschine.
Sie konnte mehrere Falze in einem Arbeitsgang ausführen.
Eine solche Maschine lohnt sich vor allem bei größeren Stückzahlen.
Das Einrichten braucht Zeit.
Anschläge und Falzpositionen müssen genau eingestellt werden und der Bogen muss sauber durch die Maschine laufen.
Ist die Maschine einmal richtig eingerichtet, können viele Bogen sehr gleichmäßig verarbeitet werden.
Für eine kleine Auflage wäre dieser Aufwand häufig gar nicht sinnvoll.
Deshalb gehört für mich beides zur Arbeit:
die kontrollierte Handarbeit mit dem Falzbein und die maschinelle Verarbeitung größerer Stückzahlen.
Für mich ist das kein Gegensatz.
Es hängt von der Aufgabe ab.
Bei einer großen gleichbleibenden Auflage ist eine eingerichtete Maschine sinnvoll.
Bei Einzelstücken, kleinen Stückzahlen oder bestimmten buchbinderischen Arbeiten ist die Handarbeit oft der direktere Weg.
Entscheidend ist nicht, ob etwas von Hand oder mit einer Maschine gemacht wurde.
Entscheidend ist, ob das Ergebnis sauber ist.
Eine Nut muss gerade sein und exakt dort sitzen, wo sie vorgesehen ist.
Bei mehreren Bogen müssen die Nuten sauber übereinanderliegen.
Das Material darf an der späteren Falzkante nicht unkontrolliert brechen oder ausfransen.
Bei bedruckten Flächen soll die Farbe an der Kante nicht abplatzen.
Nach dem Falzen soll eine klare und saubere Kante entstehen.

Eine Klappkarte soll sich selbstverständlich öffnen und schließen lassen.
Eine Präsentationsmappe soll dort umlegen, wo sie konstruktiv und gestalterisch vorgesehen ist.
Wenn all das stimmt, denkt später wahrscheinlich niemand mehr darüber nach, wie die Kante entstanden ist.
Ein Fehler kann schon beim Anlegen beginnen.
Liegt ein Bogen nicht genauso wie der vorherige an der Maschine, stehen die Nuten anschließend nicht mehr exakt in einer Reihe.
Eine falsch gesetzte Nut lässt sich später nicht einfach durch besonders sorgfältiges Falzen korrigieren.
Auch eine ungünstige Laufrichtung kann dazu führen, dass ein starker Karton an der Kante nicht sauber reagiert.
Und wenn das Material für eine Falzung zu stark ist und gar nicht vorbereitet wurde, kann die Oberfläche brechen oder bedruckte Farbe abplatzen.
Deshalb ist das Nuten kein nebensächlicher Zusatz.
Es ist Teil einer sauberen Verarbeitung.
Nuten und Falzen gehören zu den Arbeitsschritten, die am fertigen Produkt kaum im Vordergrund stehen.
Eine saubere Falzkante soll nicht spektakulär aussehen.
Sie soll einfach richtig sein.
Gerade deshalb merkt man sofort, wenn sie es nicht ist.
Vieles von dem, worauf ich dabei heute automatisch achte, habe ich schon bei meiner Mutter gelernt.
Immer dieselbe Anlage.
Sauber aufstoßen.
Genau hinschauen.
Und wehe, die Nuten waren nicht in einer Reihe.