TRIXI GRONAU Manufaktur · Wissen

Buchbinderei ist für mich kein abgeschlossenes Kapitel aus der Vergangenheit.
Sie gehört bis heute zu unserer Manufaktur und zu meiner Arbeit.
Ich bin mit diesem Handwerk aufgewachsen.
Meine Mutter war Buchbinderin und für mich die beste Buchbinderin, die ich kannte.
Sie arbeitete so gewissenhaft, dass sogar die Buchbinderei Delle sie manchmal um Hilfe bat.
Von ihr habe ich die Buchbinderei von der Pike auf gelernt.
Meine Mutter und ich haben bis zu ihrem Tod immer zusammengearbeitet.
Bei größeren Aufträgen hat teilweise die ganze Familie mitgeholfen.
Deshalb verbinde ich Buchbinderei nicht nur mit einer Technik.
Für mich ist sie ein Stück Familiengeschichte, das ich bis heute weiterführe.
Wir fertigen bis heute unter anderem Notizbücher, Kalender, Ordner und besondere Bücher.
Dabei mag ich Formate, die man nicht überall bekommt.
Neben klassischen Notizbüchern in A5 arbeiten wir zum Beispiel mit Formaten wie 22 × 22 cm oder 30 × 19 cm.
Unsere Kalender haben unter anderem ein Format von 24 × 26 cm.
Ich mag solche Abmessungen ganz bewusst.
Das hat so keiner. Ich mag das Spezielle.
Auch unsere Ordner gehören dazu.
Sie werden mit Skivertex bezogen und wirken dadurch im Regal ganz anders als gewöhnliche Büroordner.
Für mich soll ein Ordner auch dann gut aussehen, wenn er sichtbar im Regal steht.
Für viele unserer Notizbücher kaufen wir hochwertige Buchblöcke in Italien.
Das ist für uns sinnvoll, wenn Format und Papier bereits zu unserer Gestaltung passen.
Wenn ein Kunde jedoch ein besonderes Format oder eine eigene Ausführung möchte, stellen wir den Buchblock auch selbst her.
Dann bestimmen wir Papier, Format und Aufbau entsprechend dem Auftrag.
Dabei spielen auch Papiersorte und Grammatur eine wichtige Rolle, weil sie das Verhalten und die Wirkung des fertigen Buchblocks mitbestimmen.
Gerade diese Möglichkeit ist für mich wichtig:
Wir müssen uns nicht immer einem vorhandenen Standardformat unterordnen.
Ein schönes Beispiel sind unsere kleinen Bücher im Format 12 × 8 cm.
Innen verwenden wir weißes Papier mit einem sehr feinen, hellgrauen Raster.
Der Buchblock wird bei uns selbst gelumbeckt und anschließend in Skivertex eingebunden.
So entsteht ein kleines Notizbuch, das trotz seines Formats sehr hochwertig wirkt.
Solche Bücher haben wir beispielsweise für die Zeitschrift GALA gefertigt.
Dafür war der Bezug rot und wurde mit dem GALA-Logo gebrandet.
Gerade bei solchen Aufträgen gefällt mir die Verbindung aus Material, Farbe, Format und Marke.
Bei der Buchherstellung gibt es viele Arbeitsschritte, die aufeinander aufbauen.
Die Buchpappe wird bei uns am elektrischen Stapelschneider von Ideal zugeschnitten.
Danach beginnt die eigentliche Handarbeit.
Das Bezugsmaterial wird zugeschnitten, auf die Pappe aufgezogen und sauber eingeschlagen.

Auch das Leimen des Buchblocks und das Einhängen des Buchblocks erfolgen von Hand.
Anschließend wird gepresst.
Je nach Produkt kommen weitere Arbeitsschritte wie Rillen oder Stanzen hinzu.
Die Qualität eines Buches entscheidet sich für mich nicht an einem einzelnen Arbeitsschritt.
Jeder Schritt muss stimmen, damit am Ende ein sauberer Einband entsteht.
Gerade beim Beziehen und Einhängen ist Handarbeit für mich entscheidend.
Der Leim muss gleichmäßig aufgetragen werden.
Das Bezugsmaterial darf keine Blasen oder Wellen bilden.
Die Ecken müssen sauber eingeschlagen sein.
Und beim Einhängen des Buchblocks muss darauf geachtet werden, dass er gerade im Einband sitzt.
Man kann einen schönen Bezug und einen guten Buchblock haben.
Wenn beide schief miteinander verbunden werden, ist das ganze Buch nicht sauber gearbeitet.
Auch die Laufrichtung des Papiers spielt bei der Buchbinderei eine wichtige Rolle.
Papier verhält sich in und gegen seine Laufrichtung unterschiedlich.
Bei falscher Laufrichtung können sich Seiten oder Einband später verziehen oder unnötig unter Spannung stehen.
Deshalb gehört dieses Wissen für mich ganz selbstverständlich zur Verarbeitung.
Es ist eines dieser Details, die man beim fertigen Produkt vielleicht nicht bewusst sieht, deren Wirkung man aber merkt.
Ein guter Einband muss für mich vor allem gleichmäßig sein.
Ich achte auf saubere Ecken, einen geraden Rücken, die richtige Laufrichtung, eine glatte Oberfläche ohne Wellen oder Blasen und einen sauberen Klebstoffauftrag.
Der Buchblock muss gerade im Einband sitzen.

Beim fertigen Buch soll nichts zufällig wirken.
Gerade bei reduzierten Entwürfen sieht man kleine Fehler sofort.
Je einfacher eine Gestaltung aussieht, desto sauberer muss gearbeitet werden.
Ein häufiger Fehler ist zu viel Leim.
Zu viel Klebstoff verbessert die Verbindung nicht automatisch.
Er kann vielmehr dazu führen, dass sich Material wellt oder Klebstoff an Stellen austritt, an denen er nicht sichtbar sein soll.
Auch schlecht eingeschlagene Ecken fallen sofort auf.
Und wenn der Buchblock schief eingehängt wurde, lässt sich dieser Fehler am fertigen Buch kaum noch verbergen.
Deshalb lohnt es sich, bei jedem Arbeitsschritt genau zu arbeiten.
In unserer Buchbinderei arbeiten wir mit verschiedenen Maschinen und Werkzeugen.
Dazu gehören unter anderem der elektrische Ideal Stapelschneider, eine Stockpresse und eine Lederschärfmaschine.
Außerdem haben wir eine Schwenkarmstanze.
Für die eigentliche Herstellung eines Buches benötigt man die Schwenkarmstanze nicht.
Sie kommt bei anderen Arbeiten zum Einsatz, bei denen Materialien oder Formen ausgestanzt werden müssen.
Die Maschinen nehmen uns bestimmte Arbeitsschritte ab.
Das eigentliche Gefühl dafür, ob ein Einband sauber sitzt und ein Buch richtig gearbeitet ist, ersetzen sie aber nicht.
Unsere Buchbinder- und Lederprodukte waren nie nur für unseren eigenen Concept Store bestimmt.
Ich habe mit unseren Kollektionen auf großen Messen ausgestellt, unter anderem auf der Paperworld, Ambiente und Tendence in Frankfurt sowie auf der Premium in Berlin.
Auch in Dubai haben wir ausgestellt und hatten dort zeitweise einen eigenen Showroom.
Über den Großhandel haben wir unter anderem Kalender für den Concept Store Dici Como Corso in Mailand produziert.
Unsere Notizbücher wurden nach Korea verkauft und gingen auch nach London zu Bluebird.
Solche internationalen Aufträge waren für mich eine besondere Erfahrung.
Ein Produkt, das bei uns in der Werkstatt entsteht, beginnt mit ganz klassischen Arbeitsschritten:
Material auswählen, Pappe schneiden, beziehen, einschlagen, leimen, den Buchblock einhängen und pressen.
Und am Ende steht dieses Buch vielleicht in Mailand, London, Korea oder Dubai.
Das hat tatsächlich nicht jeder gemacht.
Die Grundlagen der Buchbinderei habe ich von meiner Mutter gelernt.
Ihre Genauigkeit begleitet mich bis heute.
Aber das bedeutet für mich nicht, alles genauso zu machen wie früher.
Ich kombiniere die handwerklichen Grundlagen mit besonderen Formaten, modernen Bezugsmaterialien, Heißfolienprägung, Blindprägung und eigenen Gestaltungen.
Manchmal verwenden wir einen italienischen Buchblock.
Manchmal stellen wir den Buchblock selbst her.
Manchmal ist ein klassisches Format richtig.
Und manchmal muss es eben 22 × 22 cm sein, weil genau dieses Format zum Entwurf passt.
Für mich endet Buchbinderei nicht beim Zusammenfügen von Buchblock und Einband.
Papier, Format, Bezugsmaterial, Farbe, Prägung und Verarbeitung gehören zusammen.
Ein gutes Buch soll sich richtig anfühlen, sich gut öffnen lassen und sauber gearbeitet sein.

Und es darf Persönlichkeit haben.
Meine Mutter hat mir das Handwerk von der Pike auf beigebracht. Was ich daraus gestalte, entwickle ich bis heute weiter.