TRIXI GRONAU MANUFAKTUR · WISSEN
Stanzen gehört für mich zu den Arbeiten, bei denen man sehr unmittelbar sieht, wie aus einer Idee etwas Greifbares entsteht.
Wir stanzen in unserer Manufaktur Leder, Bezugsmaterialien, Fell, Karton und Pappe. Je nach Material und Entwurf entstehen daraus einzelne Motive, Anhänger, kleine Lederteile oder passgenaue Formen für eine bestimmte Anwendung.
Besonders spannend finde ich den Moment, wenn die Stanzform nach dem Schnitt angehoben wird und das fertige Teil darunter zum Vorschein kommt.
Manchmal weiß ich vorher ziemlich genau, wie es aussehen wird. Und manchmal überrascht mich gerade dieser erste Blick.
Beim Stanzen wird ein Material mit einer Stanzform in einer genau definierten Kontur ausgeschnitten.
Die Form enthält die Schneidlinie des späteren Motivs. Unter Druck wird sie durch das Material geführt und trennt die gewünschte Form sauber aus.
Das kann ein einfaches geometrisches Teil sein. Es kann aber genauso gut ein eigens entwickeltes Motiv sein, das es vorher noch gar nicht gab.
Für mich liegt genau darin der Reiz.
Ich kann eine Form zeichnen, sie anfertigen lassen und anschließend immer wieder aus ganz unterschiedlichen Materialien stanzen.

Viele unserer Stanzformen entstehen für einen ganz bestimmten Entwurf.
Ich überlege mir ein Motiv und lasse dafür eine passende Stanzform herstellen.
Ein gutes Beispiel sind unsere Tannenbaum-Anhänger. Die Kontur des Baumes ist nicht zufällig aus einem vorhandenen Sortiment gewählt. Für solche eigenen Formen lassen wir die entsprechende Stanzform nach unserem Entwurf anfertigen.
Dadurch kann aus einer Zeichnung ein Motiv werden, das sich anschließend immer wieder reproduzieren lässt.
Genau das mag ich an diesem Verfahren.
Eine Idee bleibt nicht auf dem Papier. Sie bekommt eine reale Form.

Mit Stanzen verbinden viele zuerst Papier.
In unserer Manufaktur arbeiten wir damit aber mit sehr unterschiedlichen Materialien.
Wir stanzen unter anderem Leder, Bezugsmaterialien, Fell, Karton und Pappe.
Jedes Material verhält sich anders.
Ein kräftiges Leder braucht einen anderen Umgang als dünnes Papier. Karton reagiert anders als ein weiches Bezugsmaterial. Auch die Stärke und die Oberfläche spielen eine Rolle.
Bei Leder kann es notwendig sein, das Material vorher an bestimmten Stellen dünner zu machen. Dafür haben wir eine Lederschärfmaschine in unserer Werkstatt.
So lässt sich auch ein stärkeres Leder für die weitere Verarbeitung vorbereiten.
Ich mag besonders den Augenblick unmittelbar nach dem Schnitt.
Die Stanzform wird angehoben und das ausgestanzte Teil aus dem Material genommen.
Dann sieht man zum ersten Mal wirklich, ob die Form so wirkt, wie ich sie mir vorgestellt habe.
Gerade bei kräftigen Farben oder besonderen Oberflächen verändert sich ein Motiv oft noch einmal, wenn es aus dem großen Materialbogen herausgelöst wird.
Aus einer Fläche wird plötzlich ein einzelnes Objekt.

Ein und dieselbe Form kann völlig unterschiedlich wirken.
Das sehe ich besonders gern bei Motiven, die wir aus verschiedenen Materialien oder Farben stanzen.
Bei Geschenkpapieren finde ich es immer wieder spannend, wie ein Muster aussieht, sobald nur noch ein kleiner Ausschnitt davon übrig bleibt.
Auf dem ganzen Bogen nimmt man ein Dekor anders wahr.
Als ausgestanzter Stern, Anhänger oder anderes Motiv entsteht plötzlich eine ganz neue Wirkung.
Auch Leder verändert ein Motiv stark. Farbe, Oberfläche, Prägung und Materialstärke bestimmen mit, ob etwas ruhig, verspielt oder sehr präsent wirkt.

Eine gute Stanzung erkenne ich zuerst an der Kante.
Der Schnitt muss sauber und exakt sein.
Das Material darf nicht ausfransen und die Kontur darf nicht unregelmäßig werden.
Gerade bei kleinen Motiven sieht man Ungenauigkeiten sofort.
Bei dünnem Papier liegt die Schwierigkeit manchmal weniger im eigentlichen Schnitt als danach. Sehr feines Papier kann beim Herausnehmen aus der Stanzform reißen.
Deshalb gehört auch hier Erfahrung dazu.
Nicht jedes Material lässt sich gleich behandeln, selbst wenn die Stanzform dieselbe ist.
Über die Jahre sind viele eigene Formen entstanden.
Einige sind für einzelne Aufträge entwickelt worden, andere gehören inzwischen fest zu unserer Arbeit.
Die kleinen Leder-Seepferdchen sind ein gutes Beispiel dafür.
Mich interessiert dabei weniger, möglichst viele unterschiedliche Motive zu haben. Wichtiger ist mir, dass die Form zu dem Produkt und zu unserer Gestaltung passt.
Eine Stanzform ist deshalb für mich nicht nur ein Werkzeug.
Sie gehört zum Entwurf.

Mit dem Stanzen ist ein Produkt häufig noch nicht fertig.
Das ausgestanzte Teil kann anschließend geprägt, geklebt, zusammengesetzt oder mit anderen Materialien verbunden werden.
Bei unseren Taschenbuttlern beispielsweise werden die ausgestanzten Lederteile Teil eines fertigen Accessoires.
Hier greifen die verschiedenen Arbeiten unserer Manufaktur ineinander.
Stanzen, Heißfolienprägung, manchmal Blindprägung, Lederverarbeitung und die weitere Montage sind keine voneinander getrennten Welten.
Am Ende zählt das fertige Stück.

Nach dem Stanzen bleibt im Material die Negativform zurück.
Eigentlich ist sie nur der Rest.
Ich finde diese Stanzgitter trotzdem oft sehr schön.
Man erkennt daran sofort, wie die einzelnen Formen auf dem Materialbogen angeordnet waren und wie aus einer Fläche viele einzelne Teile entstanden sind.
Gerade bei kräftigen Farben sieht das manchmal fast wie eine eigene Grafik aus.

Ich sehe Stanzen nicht einfach als eine Möglichkeit, ein Material auszuschneiden.
Mich interessiert der Schritt davor.
Welche Form soll entstehen?
Welches Material passt dazu?
Wie groß soll das Motiv sein?
Wie verändert eine bestimmte Oberfläche die Wirkung?
Und lohnt es sich für eine Idee, eine ganz eigene Stanzform herstellen zu lassen?
Genau diese Entscheidungen machen die Arbeit für mich interessant.
Wenn ich eine Form im Kopf habe, möchte ich nicht unbedingt auf das zurückgreifen, was es schon fertig gibt.
Dann entsteht eben eine eigene.
Das hat doch so keiner.