TRIXI GRONAU Manufaktur · Wissen

Offsetdruck

Mit dem Offsetdruck begann eine neue Zeit

Offsetdruck gehört für mich nicht nur zur Geschichte des Druckens, sondern auch zu meiner eigenen Familiengeschichte.

In der Druckerei meines Vaters erlebten wir den Übergang von den älteren Satz- und Drucktechniken zu einer neuen Zeit.

Im Satzbereich und in der Druckvorstufe kam ein Rechnerarbeitsplatz von Linotype-Hell hinzu. Mein Vater fuhr dafür zur Schulung nach Frankfurt.

Plötzlich gehörten Diskettenlaufwerke, digitale Schriften und Programme wie QuarkXPress zum Alltag. Heute würde man viele dieser Arbeiten zum Beispiel mit Adobe InDesign erledigen.

Früher brauchte man für die unterschiedlichen Schriften ein umfangreiches Schriftenmagazin. Mit dem Computersatz veränderte sich das grundlegend. Es standen plötzlich sehr viel mehr Schriften digital zur Verfügung.

Für uns begann damit tatsächlich ein neues Zeitalter im Druck.

Vom Entwurf zur Druckplatte

Mein Vater war nicht nur Drucker, sondern auch Grafiker.

Während unserer Zeit in der Schweiz, in der er unter anderem als Profifußballer bei Grasshoppers Zürich spielte, arbeitete er außerdem für eine namhafte Agentur.

Gestaltung und Druck gehörten für ihn deshalb immer zusammen.

Ein Auftrag begann mit den Wünschen des Kunden. Daraus entstand der Entwurf.

Danach wurde der Text gesetzt und die Druckvorlage vorbereitet. Texte und Bilder wurden mit Reprokameras auf Film belichtet, die einzelnen Bestandteile manuell montiert und anschließend auf eine Druckplatte übertragen.

Der Film wurde dafür auf die Druckplatte gelegt und belichtet.

Diese Platte kam anschließend in die Offsetmaschine.

Warum heißt es Offsetdruck?

Beim Offsetdruck gelangt die Farbe nicht direkt von der Druckplatte auf das Papier.

Die Druckplatte wird über ein Feuchtwerk mit Wasser benetzt. Die nicht druckenden Bereiche nehmen das Wasser an und stoßen die ölbasierte Druckfarbe ab. Die druckenden Bildbereiche verhalten sich genau umgekehrt: Sie nehmen die Farbe an.

Das Druckbild wird zunächst auf einen Gummituchzylinder übertragen und von dort erst auf das Papier.

Genau dieses indirekte Übertragen ist das Prinzip des Offsetdrucks.

Die Heidelberg GTO

Mein Vater ging bei neuen technischen Entwicklungen immer mit der Zeit.

Unser Drucker bei der Reinigung der Heidelberg GTO. Das Messingschild Original Heidelberg im Vordergrund gehört zum Tiegel, nicht zur GTO.

Deshalb kaufte er für unsere Druckerei eine Heidelberg GTO.

Für mich gehört diese Maschine zu den frühen Erinnerungen an den Offsetdruck in unserem Familienbetrieb.

Später kamen große Vierfarbmaschinen hinzu.

Als Kind empfand ich diese Maschinen als riesig. Sie nahmen unglaublich viel Platz ein, und ihr Lauf gehörte ganz selbstverständlich zur Geräuschkulisse der Druckerei.

Meine Schwester und ich sind in dieser Umgebung praktisch groß geworden.

Was wir im Offsetdruck hergestellt haben

Bei uns wurde sehr vieles im Offsetdruck produziert.

Dazu gehörten Geschäftspapiere, Briefbogen, Visitenkarten, Einladungen, Broschüren, Prospekte, Kataloge, Banderolen und Flyer.

Bilder wurden in der Regel vierfarbig aus Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz aufgebaut.

Farbkontrollstreifen am Rand eines Druckbogens mit Gelb, Schwarz, Cyan und Magenta

Bei Geschäftspapieren, Visitenkarten, Briefpapier oder Einladungen haben wir dagegen sehr häufig mit einer definierten Sonderfarbe gearbeitet.

Besonders wichtig waren dabei HKS-Farben.

Vier Farben für Bilder, Sonderfarben für die Marke

Für mich liegt eine große Stärke des Offsetdrucks bis heute in der Möglichkeit, mit einer echten Sonderfarbe zu arbeiten.

Wenn ein Unternehmen eine bestimmte Firmenfarbe in seiner Corporate Identity festgelegt hatte, musste diese Farbe möglichst genau getroffen werden.

Agenturen und Kunden bestanden zu Recht auf Farbtreue. Schließlich gehört die Farbe zur Identität des Unternehmens.

Bei einer HKS-Sonderfarbe wird genau dieser Farbton als eigene Druckfarbe eingesetzt.

Das unterscheidet sich sichtbar von einem Farbton, der ausschließlich aus Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz aufgebaut wird.

Wenn man sich einen vierfarbig aufgebauten Druck unter einer Lupe ansieht, erkennt man die einzelnen Rasterpunkte der Prozessfarben.

Bei einer einfarbig gedruckten Sonderfarbe sieht man dagegen die ausgewählte Farbe selbst.

Gerade bei Visitenkarten, Briefpapier, Einladungen oder Trauerkarten gefällt mir diese Wirkung bis heute sehr.

Papier verändert die Farbe

Eine festgelegte Sonderfarbe sieht nicht auf jedem Papier vollkommen gleich aus.

Papierfarbe, Oberfläche und Saugfähigkeit beeinflussen die Wirkung des Drucks.

Selbst bei einer Papiersorte, deren Zusammensetzung eigentlich gleichbleiben sollte, können sich Produktionschargen unterschiedlich verhalten.

Welche Rohstoffe eine Papiermühle verwendet und wie das Papier hergestellt wurde, kann sich auf die Farbwirkung auswirken.

Deshalb musste eine wichtige Firmenfarbe immer zusammen mit dem vorgesehenen Papier beurteilt werden.

Eine Farbnummer allein reicht dafür nicht.

Wasser, Farbe und Passer müssen stimmen

Beim Offsetdruck müssen viele Faktoren gleichzeitig stimmen.

Farbzonenschrauben mit nummerierter Skala am Farbwerk der Druckmaschine

Besonders wichtig ist das Verhältnis von Farbe und Feuchtmittel.

Wird zu viel Wasser eingesetzt, kann sich das Papier wellen.

Bei mehrfarbigen Arbeiten kann das wiederum dazu führen, dass die einzelnen Farben nicht mehr exakt übereinanderstehen.

Der Passer stimmt dann nicht mehr.

Auch Farbmenge, Papier und Maschineneinstellung müssen ständig kontrolliert werden.

Ein guter Druck entsteht deshalb nicht einfach dadurch, dass man die Maschine einschaltet.

Man muss den Druck während der gesamten Auflage beobachten und beurteilen.

Wenn es schnell gehen musste

Kunden wollten ihre Drucksachen natürlich manchmal sehr schnell haben.

Frisch gedruckte Farbe braucht aber Zeit zum Trocknen.

Wenn eine Arbeit besonders schnell weiterverarbeitet werden musste, haben wir deshalb manchmal die Bögen eingeschossen.

Das bedeutet: Zwischen die frisch bedruckten Bögen wurde jeweils ein unbedrucktes Blatt gelegt.

Dadurch konnten sich die bedruckten Flächen beim Stapeln und bei der anschließenden Verarbeitung weniger gegenseitig abschmieren.

Besonders beim Schneiden entsteht Druck auf den Papierstapel. Wenn die Farbe noch nicht vollständig trocken ist, kann das sonst Spuren hinterlassen.

Solche kleinen Arbeitsschritte waren ganz selbstverständlich Teil des Druckalltags.

Wenn die Auflage größer wurde

Manche Aufträge waren so umfangreich, dass bei uns in Schichten gedruckt wurde.

Mechanischer Bogenzähler an der Druckmaschine

Dann liefen die Maschinen viele Stunden weiter.

Mein Vater hat in solchen Phasen sogar in der Druckerei geschlafen, damit er die laufende Auflage überwachen und bei Problemen sofort eingreifen konnte.

Mit dem Drucken war die Arbeit aber noch lange nicht beendet.

Danach begann die buchbinderische Verarbeitung.

Meine Mutter und unsere zweite Buchbinderin übernahmen diesen Teil der Produktion. Es wurde geschnitten, gefalzt, zusammengetragen und weiterverarbeitet.

Meine Schwester und ich sind zwischen Satz, Druckmaschinen und Buchbinderei groß geworden.

Für uns gehörten diese Bereiche immer zusammen.

Vielleicht kommt daher auch meine Haltung bis heute: Ein Druckprodukt besteht für mich nie nur aus dem eigentlichen Druck. Entwurf, Schrift, Papier, Farbe, Druck und Verarbeitung bilden eine Einheit.

Offsetdruck oder Digitaldruck?

Beide Verfahren haben ihre Berechtigung.

Digitaldruck ist besonders praktisch bei kleinen Auflagen, wechselnden Inhalten oder Personalisierungen.

Beim Offsetdruck schätze ich vor allem die kontrollierte Farbwirkung und die Möglichkeit, mit echten Sonderfarben zu arbeiten.

Gerade bei Visitenkarten, Briefpapier, Einladungen oder Trauerkarten finde ich einen sauber gedruckten Sonderfarbton im Offset nach wie vor sehr schön.

Welche Technik die richtige ist, hängt deshalb immer vom Auftrag ab.

Auflage, Gestaltung, Papier, Farbe und gewünschtes Ergebnis müssen zusammen betrachtet werden.

Warum Offsetdruck für mich mehr als eine Drucktechnik ist

Wenn ich heute an Offsetdruck denke, sehe ich nicht nur Druckplatten, Gummitücher und Farbwerke.

Ich sehe die Heidelberg GTO meines Vaters, die großen Vierfarbmaschinen, den Satzarbeitsplatz, Filme und Druckplatten.

Ich sehe meine Mutter in der Buchbinderei und meinen Vater, der eine große Auflage auch nachts überwachte.

Und ich sehe meine Schwester und mich zwischen all diesen Arbeitsbereichen.

Wir sind in der Druckerei groß geworden.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum ich Gestaltung, Druck und Verarbeitung bis heute nicht voneinander trennen kann.