TRIXI GRONAU Manufaktur · Wissen
Papier wähle ich nicht nach einer Zahl aus
Wenn ich Papier auswähle, schaue ich nie nur auf Farbe oder Grammatur.
Ich nehme es in die Hand.
Wie fühlt es sich an? Wie fest ist es? Welche Oberfläche hat es? Wie verhält es sich beim Schreiben, Drucken, Prägen oder Falzen?
Zwei Papiere können dieselbe Grammatur haben und sich trotzdem vollkommen unterschiedlich anfühlen.
Genau deshalb ist Papier für mich nie nur der Untergrund einer Gestaltung.
Es ist Teil der Gestaltung.

Die Grammatur beschreibt das Gewicht eines Papiers in Gramm pro Quadratmeter.
Sie sagt jedoch nicht automatisch, wie dick oder fest ein Papier wirkt.
Ein voluminöses Naturpapier kann sich bei gleicher Grammatur deutlich kräftiger anfühlen als ein dichteres, glatteres Papier.

Deshalb reicht mir die Grammatur allein nie aus.
Ich schaue ebenso auf Volumen, Festigkeit, Oberfläche und darauf, was anschließend mit dem Papier geschehen soll.
Bei großen Mengen wurde Briefpapier früher häufig leichter gewählt.
Dafür gab es meist zwei Gründe: Der Kunde wollte Papierkosten sparen oder das Gewicht beim Versand reduzieren, besonders wenn mehrere Seiten in einem Brief verschickt wurden.
Dafür konnte beispielsweise ein Papier um 90 g/m² verwendet werden.
Ich persönlich mag Briefpapier etwas kräftiger.
Meine Empfehlung liegt eher bei etwa 100 bis 110 g/m².
Es soll sich nach Papier anfühlen und trotzdem angenehm beschreibbar bleiben.
Sehr schön finde ich auch hochwertige Briefpapiere mit Wasserzeichen.
Ein gutes Briefpapier soll für mich nicht nur bedruckt werden können. Es soll ebenso selbstverständlich möglich sein, später mit Füllhalter und Tinte darauf zu schreiben.
Bei einer Briefkarte erwarte ich mehr Festigkeit.
Für mich beginnt eine gute Briefkarte deshalb bei ungefähr 300 g/m².
Sie liegt anders in der Hand als ein dünner Karton und vermittelt bereits über das Material eine gewisse Wertigkeit.
Auch hier gilt: Grammatur ist nicht alles.
Ein voluminöser Karton kann anders wirken als ein sehr dichter Karton mit demselben Flächengewicht.
Aber eine Briefkarte sollte für mich genügend Stand haben.
Bei Visitenkarten bevorzuge ich ebenfalls 300 g/m² oder mehr.
Eine Visitenkarte wird in die Hand genommen, übergeben und häufig aufbewahrt.
Papier, Farbe, Druck und mögliche Veredelung sollten deshalb zusammenpassen.
Gerade eine Sonderfarbe im Offsetdruck oder eine Prägung kann auf einem guten Karton eine ganz andere Wirkung entfalten als auf einem beliebigen Material.
Bei Einladungen unterscheide ich zwischen einer einzelnen Karte und einer Klappkarte.
Eine einzelne Einladungskarte darf ruhig kräftig sein.
300 g/m² oder mehr sind für mich ein guter Ausgangspunkt.
Und manchmal darf es richtig stark werden.
Ein Karton mit 400 oder sogar 500 g/m² kann bei einer reduzierten Gestaltung sehr eindrucksvoll wirken.
Bei einer Klappkarte muss das Material dagegen sauber gerillt und gefalzt werden können.
Hier lassen sich bereits ab ungefähr 246 g/m² sehr schöne Ergebnisse erzielen.
Entscheidend ist immer, wie sich das Papier nach der Verarbeitung verhält.
Auch bei weißen Papieren gibt es große Unterschiede.
Ein Weiß kann warm, kühl, cremefarben oder fast bläulich wirken.
Dazu kommt die Oberfläche: glatt, leicht rau, gerippt, filzmarkiert oder deutlich strukturiert.

Wenn mehrere weiße Papiere nebeneinanderliegen, sieht man diese Unterschiede plötzlich sehr deutlich.
Deshalb ist selbst die Auswahl eines weißen Papiers für mich eine Farbentscheidung.
Für Briefpapier und Briefkarten mag ich eine glatte Oberfläche oder nur einen Hauch Rauheit.
Darauf lässt sich besonders schön schreiben.
Ein Füllhalter sollte über das Papier gleiten können und die Tinte sauber stehen, ohne unkontrolliert in die Oberfläche einzuziehen.
Gerade bei Briefpapier ist mir das wichtig.
Ein Papier kann noch so schön aussehen: Wenn man später nicht angenehm darauf schreiben kann, ist es für diesen Zweck für mich nicht das richtige.
Bei Einladungen bin ich wesentlich offener.
Hier kann das Papier selbst bereits Teil des Entwurfs werden.
Es darf eine außergewöhnliche Farbe haben, stark strukturiert sein oder eine besondere geprägte Oberfläche besitzen.
Auch ein Papier mit Echsenstruktur beziehungsweise Echsenprägung kann sehr spannend sein, wenn es zum Anlass und zur Gestaltung passt.

Dann braucht es häufig gar nicht mehr viel.
Eine reduzierte Typografie oder eine einzelne Prägung kann vollkommen ausreichen, weil das Papier selbst bereits Wirkung hat.
Genau solche Kombinationen mag ich.
Ein außergewöhnliches Papier ist aber nur dann eine gute Wahl, wenn es auch zur geplanten Verarbeitung passt.
Für Kalligraphie muss die Oberfläche Tinte und Werkzeug aufnehmen können.
Bei Heißfolienprägung muss geprüft werden, ob die Folie sauber auf dem Material steht.
Bei Blindprägung beeinflussen Stärke und Oberfläche, wie deutlich sich das Motiv ausformt.
Beim Buchdruck beziehungsweise Letterpress spielt auch das Volumen des Papiers eine wichtige Rolle.
Und beim Offsetdruck verändern Papierfarbe, Oberfläche und Saugfähigkeit die Wirkung der Druckfarbe.
Deshalb wird das Papier bei uns nie unabhängig von der Technik ausgesucht.
Ein besonders starker Karton kann wunderschön sein und trotzdem für eine bestimmte Verarbeitung ungeeignet.
Soll eine Karte gefalzt werden, muss sie vorher sauber gerillt werden können.
Für Prägung, Stanzen, Kaschieren oder buchbinderische Verarbeitung gelten wiederum andere Anforderungen.
Deshalb stelle ich bei der Papierauswahl immer zuerst eine ganz praktische Frage:
Was soll anschließend mit diesem Papier geschehen?
Erst danach lässt sich sinnvoll entscheiden, welche Grammatur und welche Oberfläche richtig sind.
Für mich beginnt Gestaltung häufig bereits mit der Papierauswahl.
Nicht die höchste Grammatur ist automatisch die beste.
Und nicht das auffälligste Papier ist automatisch das interessanteste.
Bei einem Briefpapier kann die richtige Wahl ein schönes glattes Papier mit Wasserzeichen sein.
Bei einer Briefkarte ein kräftiger Karton ab 300 Gramm.
Und bei einer Einladung vielleicht ein 400- oder 500-Gramm-Karton oder eine überraschend strukturierte Oberfläche.
Entscheidend ist für mich immer, dass Papier, Gestaltung und Verarbeitung zusammenpassen.