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Buchdruck und Letterpress aus dem Hamburger Atelier

Gedruckte Karte auf einem Schließrahmen, rechts ein Messingklischee
Fertig gedruckte Karte, daneben das Messingklischee, mit dem sie entstanden ist.

Warum das Papier zählt

Beim Buchdruck beeinflusst das Papier das Ergebnis deutlich. Oberfläche, Volumen und Festigkeit bestimmen mit, wie Farbe und Druckbild wirken. Historisch wurde häufig mit möglichst geringer Vertiefung gedruckt, damit die Schrift sauber auf dem Papier steht und die Lettern geschont werden. Im heutigen Letterpress kann eine leichte bis deutlich fühlbare Vertiefung dagegen bewusst als gestalterisches Element eingesetzt werden. Wie stark der Eindruck ausfällt, hängt von Papier, Druckform, Motiv und gewünschter Wirkung ab. Mehr dazu steht in unserer Papierkunde.

Papier mit vertieftem Druckbild im Streiflicht
Erst im Streiflicht sieht man, was man sonst nur fühlt.

Wie entsteht ein Buchdruck bei TRIXI GRONAU?

Am Anfang steht die Gestaltung. Je nach Motiv arbeiten wir mit einzelnen Lettern oder mit einem Klischee. Das vorhandene Ateliermaterial zeigt unter anderem von Hand gesetzte Bleilettern und Messingklischees.

Die druckenden Elemente werden in der Presse eingerichtet. In unserem Druckatelier in Hamburg verteilen die Farbwalzen die Druckfarbe auf den erhöhten Flächen. Das Papier wird positioniert und im Boston Tiegel gegen die eingefärbte Druckform gepresst. Dabei werden Farbe und Druckbild auf das Papier übertragen.

Am Tiegel: Corinnas Vater bei der Arbeit. Die Farbe kommt auf den Teller, von dort nehmen die Walzen sie auf und verteilen sie auf der Druckform.
Eingerichtete Druckform im Schließrahmen mit Farbwalzen
Die Form ist eingerichtet und verkeilt. Ab hier wird Bogen für Bogen gedruckt.
Farbwalze über einer eingefärbten Druckform
Vor jedem Bogen läuft die Walze neu über die Form.

Was ist Buchdruck?

Beim Buchdruck steht alles erhaben, was drucken soll: gesetzte Bleilettern, Holzbuchstaben, ein Klischee aus Messing. Diese Teile werden im Schließrahmen zu einer festen Druckform zusammengeschlossen, eingefärbt und gegen das Papier gepresst. Was nicht drucken soll, liegt tiefer und bleibt frei.

Letterpress ist das englische Wort dafür. Es hat sich eingebürgert, wenn von handwerklichem Buchdruck die Rede ist.

Woraus besteht eine Druckform?

Eine Druckform ist selten ein einziges Stück. Für eine Zeile Text werden Bleilettern von Hand gesetzt, Buchstabe für Buchstabe, dazwischen kommen Stege und Ausschluss, damit nichts verrutscht. Für ein Motiv, ein Logo oder einen zusammenhängenden Schriftzug nehmen wir ein Klischee aus Messing, das die ganze Form auf einmal trägt.

Von Hand gesetzte Bleilettern in einer Setzform
Jede Zeile wird Buchstabe für Buchstabe von Hand gesetzt, die Abstände mit Stegen ausgeglichen.

Alles zusammen wird im Schließrahmen verkeilt, bis es fest steht. Erst dann ist die Form druckfertig. Was hier nicht sitzt, ist später auf jedem Bogen zu sehen.

Messingklischee mit erhabenem Motiv
Für größere Motive trägt ein Klischee aus Messing die ganze Form auf einmal.

Zu unserem Bestand gehören Bleilettern, Klischees und Holzbuchstaben, die zum Teil noch aus der Zeit von Corinnas Eltern stammen. Für uns sind sie nicht nur historische Werkzeuge, sondern bis heute Teil unserer handwerklichen Geschichte. Was wir sonst noch im Haus haben, steht auf der Seite Maschinen und Werkzeuge.

Was unterscheidet Buchdruck von Blindprägung?

Bei der Blindprägung bleibt die Form ohne Farbe. Das Papier wird nur verformt, sichtbar im Streiflicht und spürbar unter den Fingern. Im Buchdruck trägt dieselbe Art von Form Farbe auf das Papier. Wer beides nebeneinander legt, sieht den Unterschied sofort: einmal Farbe im Papier, einmal nur Papier. Bei der Heißfolienprägung kommt zusätzlich eine Folie ins Spiel, meist Gold oder Silber.

Was unterscheidet Buchdruck von Reliefdruck?

Der Reliefdruck baut Farbe auf dem Papier auf. Ein Pulver wird in die noch feuchte Farbe gegeben und unter Hitze aufgeschmolzen, dadurch steht die Schrift erhaben nach oben. Buchdruck geht in die andere Richtung: die Schrift liegt vertieft im Papier.

Für welche Arbeiten nutzen wir Buchdruck?

Buchdruck lohnt sich dort, wo die Typografie selbst das Motiv ist. Wo Schrift, Papier und Eindruck zusammen wirken sollen und nicht nur ein Bild aufs Papier muss. Bei uns sind das vor allem Einladungen, Briefkarten und Glückwunschkarten.

Ist die Form eingerichtet, entsteht Bogen für Bogen. Am Ende jedes Druckgangs wird der Bogen von Hand aus der Presse genommen.

Wie tief der Eindruck geht, wird bei jeder Arbeit neu entschieden. Papier, Druckform und Motiv bestimmen das mit. Ein weiches Papier mit hohem Baumwollanteil nimmt mehr auf als ein glatter Karton.

Aus dem eigenen Atelier stammen zwei Weihnachtskarten, für die wir einen großen Holzbuchstaben gesetzt haben: ein W in Silber auf rotem Karton und dasselbe W in Dunkelgrün auf grünem Karton. Der Holzbuchstabe nimmt die Farbe nicht gleichmäßig an. Genau das macht das Druckbild aus, und genau das kann kein Digitaldruck.

Ein persönliches Beispiel aus unserem Atelier ist eine Geburtstagseinladung mit großen „OMG“-Holzbuchstaben und der Jahreszahl 1957 aus Bleilettern. Gerade diese Kombination zeigt, wie modern und individuell Buchdruck wirken kann.

Violette Karte mit großem OMG in Kupfer und der Zahl 1957
Geburtstagseinladung aus unserem Atelier: „OMG“ aus Holzbuchstaben, „1957“ aus Bleilettern.

Buchdruck verbindet Schrift, Material und Maschine sehr unmittelbar. Für uns ist das Verfahren deshalb nicht nur eine historische Technik, sondern ein aktiver Teil unserer Manufaktur mit weiteren Techniken wie Siebdruck, Prägung und Buchbinderei.

Häufige Fragen

Setzen Sie die Buchstaben wirklich noch von Hand?

Ja. Für Textzeilen setzen wir Bleilettern einzeln, für größere Motive nehmen wir ein Klischee aus Messing. Beides liegt bei uns im Haus, dazu Holzbuchstaben für große Formen.

Ist Letterpress dasselbe wie Prägung?

Nein. Beim Letterpress überträgt die erhabene Form Farbe auf das Papier. Bei der Blindprägung bleibt die Form ohne Farbe, es entsteht nur eine Vertiefung.

Was drucken Sie im Buchdruck, und für welche Auflagen eignet sich das Verfahren?

Einladungen, Glückwunschkarten, Visitenkarten und private Briefdrucksachen wie Briefbogen und Briefkarten. Auch Cover für Notizblöcke laufen durch die Presse. Buchdruck eignet sich besonders für Einzelstücke und kleine bis mittlere Auflagen – entscheidend sind Gestaltung, Anzahl der Farben und der Einrichtungsaufwand.

Wie lange dauert eine Auflage?

Buchdruck braucht Zeit. Jede Farbe ist ein eigener Druckdurchgang, die Druckform muss eingerichtet und genau justiert werden. Wie lange ein Auftrag dauert, hängt deshalb von Motiv, Farben und Auflage ab.

Können wir eine eigene Farbe bekommen?

Ja. Wir drucken mit Sonderfarben, exakt nach Pantone oder HKS gemischt. Die Farbe, die Sie sehen, ist genau die Farbe, die in der Dose war. Im Digitaldruck entsteht derselbe Ton aus Rasterpunkten in Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz.

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